Blackout: So bereiten Sie Ihr Unternehmen vor

Was tun, wenn alles stillsteht? Ein Schlagwort, das uns immer häufiger begegnet: Blackout. Laut einer Einschätzung der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge ist mit einem europaweiten Netzausfall bereits in den kommenden Jahren zu rechnen. Das Österreichische Bundesheer ist der Ansicht, dass der Eintritt eines solchen Katastrophenfalls bis 2025 sogar sehr wahrscheinlich sei. Wie können Sie Ihr Unternehmen darauf vorbereiten? mayday-Expertin Eva Michlits verrät die wichtigsten Maßnahmen.

Ein Blackout hätte schlimme Folgen – zumindest kurzfristig. Ein solcher Fall würde immense Schäden hervorrufen und wäre eine volkswirtschaftliche Katastrophe: Ein Blackout würde Österreich geschätzt 1,8 Milliarden Euro pro Tag kosten. Zum Vergleich: Der Lockdown während der Corona-Krise verursacht tägliche Kosten von 100 Millionen Euro.

Was uns wie ein Hollywood-Szenario scheint, ist als reale Krisensituation für Europa nicht abwegig, am 8. Jänner sind wir um Haaresbreite an einem Blackout vorbeigeschrammt. Ein überlastetes Umspannwerk in Kroatien hat eine Stromstörung verursacht und damit fast am gesamten Kontinent das Licht ausgehen lassen.

Die Ursachen und Folgen
Ein Blackout kann viele verschiedene Ursachen haben: Ein überaltertes Stromnetz oder der schmale Grat zwischen Stromverbrauch und Stromproduktion, der das ganze System in die Knie zwingen kann, wenn zu viel oder zu wenig Strom produziert wird. Auch der vermehrte Ausbau von erneuerbaren Energien und damit die volatile Erzeugung von Wind- und Sonnenstrom führt dazu, dass die Stromnetze immer stärkeren Schwankungen ausgesetzt sind. Darüber hinaus können Cyberattacken, Terroranschläge, geomagnetische Stürme, menschliches Versagen und Naturkatastrophen das Netz beschädigen – keine rosigen Aussichten.

Wie lange hält eine Gesellschaft einen so flächendeckenden Stromausfall aus? Einige Expert:innen fürchten bereits nach vier Tagen einen Zusammenbruch. Empfehlungen nach sollen sich Menschen für sieben bis vierzehn Tage mit genügend Nahrungsmitteln, Wasser, Batterien und Medikamenten vorbereiten. Neben Privathaushalten wären aber auch Unternehmen betroffen, welche Maßnahmen sollten diese setzen?

Wir haben die Expertin, Senior Beraterin und clavis-Partnerin Eva Michlits befragt, wie sich Unternehmen auf einen bevorstehenden Blackout vorbereiten können:

mayday-Expertin Eva Michlits

Frau Michlits, immer öfter liest man von einem bevorstehenden Blackout. Als Expertin: Was ist Ihre Einschätzung? Wie können sich Unternehmen am besten auf so einen Fall vorbereiten?

Zuallererst sollte man sich die Infrastruktur ansehen und eine Analyse machen. Wichtige Fragen hierbei sind: Verfüge ich über ein Notstromaggregat? Habe ich Security zur Hand? Wer würde im Notfall ins Unternehmen kommen? Funktioniert die Alarmanlage noch? Können Leute rein – beziehungsweise: können Mitarbeiter:innen und Kunden:innen raus? Habe ich ein Lager? Muss dieses gekühlt werden? Aber auch: Verfügt mein Unternehmen über eine mechanische Sperre, Sicherungen oder Rollgitter?

Uns stehen maximal 1-2 Stunden zur Verfügung, in der wir agieren können. Bereits hier kommt das Notstromaggregat zum Einsatz. Handys funktionieren wahrscheinlich nur die ersten 15-20 Minuten, manche Expert:innen sprechen von 2-3 Stunden. Aber darauf würde ich mich nicht verlassen. Durch die erwartungsgemäße sehr starke Nutzung sind die Notstromaggregate der Mobilfunkfanbieter auch bald verbraucht.

Für Unternehmen ist es besonders wichtig, sich einer Analyse zu unterziehen und einen Prozess zu definieren, um diese Spanne von 1-2 Stunden bestmöglich nutzen zu können.

Wie erstellt man so eine Analyse?
Eine Analyse kann mithilfe eines Fragebogens durchgeführt und in einem anschließenden Workshop vertieft werden.

Ein Workshop bietet sich als Vorbereitung für ein Blackout an. Hierbei kann eine intensive Analyse von Infrastruktur (Alarmanlage, Stromversorgung, die ganze IT) gemacht und der Prozess im Anschluss modelliert werden. Vor allem bei der IT ist wichtig, dass diese geordnet hoch- und runterfährt. Alles was man vorbereiten kann, sollte man auch für den Ernstfall beschaffen. Wichtig sind auch Aushänge und gedruckte Informationen, da bei einem Blackout der Drucker nicht mehr funktioniert. Man ist, kurz gesagt, nicht mehr geschäftsfähig.

Wie sieht es dabei mit der Kommunikation aus?
Auf alle Fälle sollte man sich eine Kommunikationsstruktur überlegen. Wie informiere ich die anderen in so einem Fall? Da Handys keine Option mehr sind, müssen wir auf Alternativen zurückgreifen. Eine Möglichkeit sind Funkgeräte. Die zweite Möglichkeit wäre eine persönliche Information, wenn es die Situation zulässt. Dazu muss aber im Vorfeld die Informationskette definiert werden.

Ratsam wäre es, sich ein batteriebetriebenes Rundfunkgerät oder ein Kurbelradio zu beschaffen. Und natürlich Reservebatterien.

Wozu raten Sie, wenn ein Blackout dann tatsächlich eintritt?
Zuallererst würde ich Ruhe bewahren. Nicht jeder Stromausfall ist gleichzeitig auch ein Blackout. In erster Linie sollte man die Situation und seine Umgebung analysieren. Funktioniert draußen auf den Straßen die Beleuchtung? Ist es bei meinen Nachbarn ebenso stockfinster? Drehen Sie danach sofort das Radio auf oder versuchen Sie über Ihr Smartphone an Nachrichten zu kommen.

Wenn ein Blackout eingetroffen ist, kann man noch kurze Zeit agieren. Wenn Ihr Unternehmen vorbereitet ist, leiten Sie die nötigen Schritte ein. Danach heißt es nur noch: abwarten.

Gibt es auch „Nachbereitungen“ für so einen Fall?
Natürlich, es handelt sich um eine unvergleichbare Situation. Unternehmen können von solchen Situationen immer etwas Wertvolles mitnehmen. Was ist gut gelaufen? Was ist eher schlecht gelaufen? Was müssen wir beschaffen, um das nächste Mal gerüstet zu sein? Denn: nach dem Blackout ist vor dem Blackout.

Sind Sie auf einen Blackout vorbereitet?

Sie benötigen Unterstützung, um Ihr Unternehmen auf einen Blackout vorzubereiten?

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