Krisenprävention: Die Vorsorgeuntersuchung für Unternehmen

Ein Interview mit clavis-Geschäftsführer Harald Schiffl.

Herr Schiffl, warum brauchen Unternehmen Krisenprävention?

Um Krisen erfolgreich bewältigen zu können, braucht es eine gründliche Vorbereitung. Unternehmen und Organisationen sind gut beraten, sich über Risiken und Chancen Gedanken zu machen und konkrete Handlungsanleitungen zu entwerfen für mögliche krisenhafte Entwicklungen, die zu schweren Beeinträchtigungen oder Schäden führen können. Dadurch kann im Falle des Falles rascher, effizienter und erfolgversprechender (re-)agiert werden. Ohne Vorbereitung droht wertvoller Zeitverlust; und andere gewinnen die Hoheit über die Kommunikation. Krisenprävention ist daher das A und O.

Wir erleben heute Kommunikation in Echtzeit – da bleibt für grundsätzliche Überlegungen, wenn der Ernstfall schon eingetreten ist keine Zeit mehr. Unternehmen und Organisationen in Krisen müssen die Informations- und Kommunikationshoheit bewahren und die Gefahr stressbedingter Fehler in der Krisenorganisation und -kommunikation so weit wie möglich vermeiden.

Deshalb: Prävention auf allen Ebenen!

 

Welche Maßnahmen umfasst Krisenprävention/Vorbereitung typischerweise?

Schritt Eins ist ein intensives Audit des Unternehmens, bei dem die IST-Situation erfasst sowie die vorhandenen Risiken und sich daraus ergebende Krisen analysiert werden. Ergebnis dieses Workshops ist ein Report mit relevanten Risikoszenarien und deren Schädigungspotential. Diese Zusammenfassung gibt einen Überblick über die Gefährdungssituation des Unternehmens und bildet die Basis zur Erstellung eines generellen Krisenkommunikationsplans. Schritt Zwei ist die Entwicklung und Implementierung eines strategisch besetzen Krisenteams. Schritt Drei die Erstellung eines handhabbaren Krisenhandbuches, mit Handlungs- und Kommunikationsanleitungen, notwendigen Checklisten, Sprachregelungen etc. Die zentrale Herausforderung ist ein praxistaugliches Handbuch! Nach der Implementierung muss das Krisenhandbuch in einem Probelauf getestet und „gelebt“ werden, um im Akutfall damit arbeiten zu können.

 

Sollte jede Art von Unternehmen eine Krisenprävention vornehmen (auch low-risk Unternehmen)?

Selbstverständlich sieht die Vorbereitung für ein low-risk-Unternehmen oder für KMUs anders aus, als für Betriebe der Lebensmittel-, Pharma-, Chemieindustrie, oder Banken und Transportunternehmen, auch vom zeitlichen und finanziellen Aufwand her. Krisenhafte Ereignisse können jedes Unternehmen, aber auch Organisationen und öffentliche Stellen treffen, auch Ein-Personen-Unternehmen. Wobei ich hier eindeutig eine Grenze ziehen möchte, denn es sind erfahrungsgemäß größere und große Unternehmen/Konzerne/Organisationen, die von Kommunikationskrisen betroffen sind. Im Normalfall raten wir zu einer professionellen Prophylaxe mit externen Experten, da sie einen unverstellten Blick und die entsprechende Außensicht mitbringen und über ein umfassendes Know-how verfügen.

 

Bringt meinem Unternehmen Prävention auch etwas, wenn es nicht zu einer Krise kommt?

Eindeutig ja! Die Definition möglicher Risiken ermöglicht deren Minimierung und/oder Beseitigung. Hinzu kommt, dass durch Prävention bei Eigentümern und Management mehr Achtsamkeit auf krisenhafte Entwicklungen und ein Sensorium für problematische Vorgänge entwickelt wird. Das wiederum ist die beste Möglichkeit endogene Krisen zu verhindern. Unternehmen befinden sich aber nicht solitär im luftleeren Raum; deshalb können exogene Krisen – ohne Vorwarnung – über Unternehmen hereinbrechen. Denken Sie an Naturkatastrophen oder den schweren Unfall der Costa Concordia mit all den Auswirkungen nicht nur für die betroffene Reederei, sondern die gesamte Tourismusbranche. Die Hoffnung, dass „mein“ Unternehmen nicht von Krisen betroffen werden wird, ist trügerisch.

 

In der Krise kommt es „eh immer“ anders, wofür noch vorbereiten?

Die Standard-Krise gibt es nicht und Krisen halten sich nicht an Handbücher, aber: Krisen entwickeln sich oft nach ähnlichen Schemen – „schleichend“, „eruptiv“, „wiederkehrend“ – als potenzielle oder latente Krise, als akut beherrschbare oder akut nicht beherrschbare Krise, als „strategische Krise, Ergebniskrise oder Liquiditätskrise“ (wie es Roland Berger Strategy Consultants definiert). Egal nach welchen Gesetzmäßigkeiten sie auftreten, wenn das Management erst nach den ersten Anzeichen beginnt zu überlegen, wer als Sprecher nominiert wird, wer in das Krisenteam gehört, wer überhaupt entscheidet, ob es sich um eine Krise handelt oder nicht, wie eine erste angemessene Aktion und Reaktion aussehen könnte, was konkret nach innen und außen gesagt wird etc., geht wertvolle Zeit verloren, die zentrifugalauseinanderstrebenden Kräfte beginnen zu wirken, die Kommunikation wird als holprig und wenig glaubwürdig erlebt – und das Image des Unternehmens nimmt rasant Schaden; ganz abgesehen von den wirtschaftlichen Auswirkungen. Krisenhandbücher sind wie ein Treppengeländer: Sie geben Sicherheit, Halt, sind Aufstiegshilfe und geben klare Handlungsanleitungen – auch wenn „Beben“ Unternehmen erschüttern. Deshalb kann ich nur gebetsmühlenartig raten: Vorbereitung! Vorbereitung! Vorbereitung!

Erfolgreiche Krisenprävention

Ob Handbuch, Krisenübung oder weitere Maßnahmen – Unsere Kommunikationsexperten unterstützen Ihr Unternehmen individuell dabei, Krisen erfolgreich vorzubeugen und im Ernstfall bestmöglich gewappnet zu sein!

Harald Schiffl ist seit rund 30 Jahren als Kommunikationsberater tätig und Mitbegründer der Krisenkommunikation in Österreich. Er war unter anderem 14 Jahre Senior-Berater und Geschäftsführer einer der führenden PR-Agenturen Österreichs ehe er 2009 preventK als erste österreichische Agentur für strategische Krisenkommunikation und Krisenmanagement gründete. Schiffl ist einer der drei geschäftsführenden Gesellschafter von clavis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Nach Oben