Zwischen den Zeilen lesen: Die Bedeutung interner Kommunikation

Ein Interview mit clavis-Geschäftsführer Dieter Bitschnau.

Herr Bitschnau, interne Kommunikation findet ohnehin statt. Wozu braucht es da Beratung?

Weil schlechte interne Kommunikation einer der Hauptgründe ist, warum in Unternehmen etwas schiefläuft. So wie miteinander geredet und umgegangen wird, ist es – gelinde gesagt – oft sub-optimal. Zwar gibt es vielfach Strategie-Papiere, Mission- oder Vision-Statements und trotzdem wissen viele nicht, wo es lang gehen soll und welchen Beitrag er/sie dazu leisten kann. Ständig wird in Unternehmen darüber geklagt, dass „Schnittstellen“ nicht funktionieren, Informationen oft nicht die erreichen, die sie brauchen, dass Mitarbeiter nicht umsetzen, was vereinbart wurde, und Chefs nicht ausreichend klar machen, was sie wirklich wollen. Das ist auf Kommunikations-Defizite zurückzuführen. Damit beginnen jedenfalls die Probleme. In Krisen-Situationen machen sie sich besonders eklatant bemerkbar.

Und was muss dann anders werden?

Es bringt nichts, mehr miteinander zu reden. Man muss besser miteinander reden und mehr darauf achten, was die Einschätzungen, Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen derjenigen sind, die miteinander kooperieren müssen. Das teilt sich zu einem großen Maße nicht durch „Wortwechsel“ mit. Es steht viel „zwischen den Zeilen“, vieles wird nicht gesagt, über Gefühle wird oft gar nicht gesprochen. Gefühle spielen aber immer eine Rolle. Jeder fragt sich doch: Wie sehen mich die anderen? Was halten sie von mir? Was halten sie von dem, was ich meine und was ich will? Verstehe ich richtig, was von mir erwartet wird? Und wenn ja, kann und will ich die Erwartungen erfüllen? Weil das nicht klar ist, kommt dann etwas ganz anderes heraus, als in Plänen oder Protokollen steht. Aufmerksamkeit, Zuhören, Nachempfinden – all das muss besser werden. Dabei kann Feedback helfen. Aber wie Feedback zu geben ist, dass andere damit etwas anfangen können, ist den meisten schon wieder unklar.

Das klingt aber schon sehr übertrieben?

Dann hören Sie mal richtig hin, worüber Mitarbeiter klagen. Solange Unternehmen – trotz der Kommunikations-Defizite − einigermaßen erfolgreich sind, kümmert sich keiner um die Verbesserung der internen Kommunikation. Doch so kommt es dann zu Schwierigkeiten, wenn Umstrukturierungen nötig sind. Dann tritt die große Verunsicherung ein, es geht schnell drunter und drüber und Führungskräfte wissen nicht, wie sie die Aufgabe möglichst schadlos bewältigen sollen. Und warum gehen 80 Prozent der M&As schief? Weil die Kommunikation schlecht ist und unterschiedliche Firmen-Kulturen unvermittelt aneinander scheitern.

Was lässt sich mit besserer interner Kommunikation erreichen?

Jeder weiß besser, was er tun kann und was andere erwarten. So können eigene Ziele besser erreicht werden, Ziele von Arbeitsgruppen, Teams, Abteilungen, dem gesamten Unternehmen. Es ist mit Aufwand verbunden. Aber jeder profitiert letztlich davon. Es kommt mehr dabei rum.

Was für ein Zusammenhang besteht zu externer Kommunikation?

Alles was Unternehmen nach außen kommunizieren, sollte zunächst intern kommuniziert werden. Daraus entstehen vier Vorteile: 1. Können intern Missverständnisse geklärt werden. 2. Geben Mitarbeiter zusätzlichen Input. 3. Werden Mitarbeiter nicht überrascht von Meldungen, die von außen wieder zurück ins Unternehmen kommen, dann unterschiedlich interpretiert und mit allen möglichen Spekulationen versehen werden. 4. Können Unternehmen gemeinsam mit ihren Mitarbeitern gut rüber bringen, worum es geht. Das ist wiederum in Krisen besonders wichtig.

Ist interne Kommunikation Führungsaufgabe?

Vorgesetze müssen dafür die Voraussetzungen schaffen. Sie müssen für die richtigen Prozesse und vor allem für Vertrauen sorgen. Tun sie das nicht, wird es keinen offenen Umgang untereinander geben. Dann dürfen Vorgesetzte nicht mit der bestmöglichen Unterstützung ihrer Mitarbeiter und gutem Teamwork rechnen.

Interne Kommunikation in Krisenzeiten

Vor allem in Krisenzeiten ist transparente interne Kommunikation essentiell, um Sicherheit und Information für alle MitarbeiterInnen gewähren zu können und so das Vertrauen aufrechtzuerhalten. Welche Tipps Führungskräfte beachten sollten, lesen Sie im Folgenden.

Dieter Bitschnau ist seit 1997 im Unternehmen und einer der drei geschäftsführenden Geschäftsführer von clavis. Strategische Kommunikations- und Krisenberatung für Unternehmen und halb-öffentliche Gesellschaften sowie Projektkommunikation bei Infrastrukturprojekten und Public Affairs/Politische Kommunikation sind seine Spezialgebiete. An der Donau Universität Krems hat Dieter Bitschnau den Master of Science in Public Relations und Integrierter Kommunikation gemacht. Zudem ist er Absolvent der Master Classes am Deutschen Institut für Public Affairs in Berlin. Dieter Bitschnau ist Obmann der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Vorarlberg.

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